Zur Geschichte der Pfarreien
St. Gangolf Wolpertswende und Mariä Geburt Mochenwangen

Soweit unsere geschichtlichen Kenntnisse zurückreichen, war Mochenwangen Bestandteil des Sprengels der St. Gangolf-Pfarrei Wolpertswende, die dem Amtsbereich des alten schwäbischen Bistums Konstanz zugehörte. Dieses wurde 1827 zugunsten der neuen Erzdiözese Freiburg im Breisgau aufgehoben und für die katholische Bevölkerung Württembergs das Landesbistum Rottenburg errichtet. Im Jahr 1843 wurde Mochenwangen zur selbständigen Pfarrei erhoben.

Der Heilige Konrad vom Geschlecht der Welfen, Bischof von Konstanz, übergab 934 seine Erbgüter, darunter Wolpertswende an seinen Bruder, den Grafen Rudolf von Altdorf-Weingarten, wodurch Wolpertswende welfischer Besitz blieb, bis dieser an die Staufer kam. Erst um 1200 taucht der Name Wolpertswende wieder in einer Urkunde auf. Sie berichtet von einem Leutpriester Ulrich, der mit größter Wahrscheinlichkeit ein Abkömmling der Herren von Fronhofen war, die sich ab Mitte des 13. Jahrhunderts "von Königsegg" nannten. Eine ihrer Seitenlinien, die Ritter von Hatzenturm, waren die Grund und Gerichtsherren von Wolpertswende und die Patronatsherren seiner Pfarrei. Ob sie auch die Erbauer ihrer mit einzelnen Bauteilen in die romanische Periode zurückreichenden Kirche waren, ist ungewiß. Diese hatte vielleicht eine Vorgängerin in Gestalt einer romanischen, im Zentrum des alten Dorfes stehenden Kapelle, die im 30 jährigen Krieg zerstört wurde. Nachdem die Herren von Königsegg, gesessen zu Hatzenturm, ihre dortige Burg, die dazugehörigen Höfe, sowie das Dorf Wolpertswende mitsamt der Kirche, dem Kirchplatz, dem Gericht und allen seinen leibeigenen Bewohnern an das Heilig Geist Spital von Ravensburg verkauft hatten, wurde die Pfarrkirche St. Gangolf 1421 in dieses inkorporiert und blieb bis 1810 dort eingegliedert. Die Kirche selbst beherbergt eine Anzahl beachtlicher spätgotischer Holzplastiken und das kunstgeschichtlich bedeutende romanische Gangolfskreuz, ein Vortragskreuz von eindrucksvoller Aussagekraft. Südostwärts am Hang unterhalb der Kirche liegt die sechseckige Gangolfskapelle, die früher das Ziel von Wallfahrten war. Sie ist nicht wie bisher angenommen eine der ältesten Kapellen des Landes, sondern wurde um 1705 anstelle des schon bestehenden Gangolfsbrunnen erbaut. Sein Wasser - St. Gangolf ist Schutzheiliger der Quellen und der Kranken -galt als heilsam für Mensch und Tier. In einem an die Kapelle angebauten Häuschen hausten ursprünglich Eremiten, später eine Stigmatisierte, die 1890verstorbene Viktoria Hecht, genannt das "Viktörle". Der Sprengel der alten Pfarrei Wolpertswende war wesentlich größer als das heutige Gemeindegebiet. Zu den Gottesdiensten an Sonn- und Feiertagen hatten sich alle gehfähigen Bewohner der Pfarrei in der Kirche in Wolpertswende einzufinden, wobei die am weitesten entfernt Wohnenden nahezu eine Stunde einfachen Weges zugehen hatten. Das Kirchenpatrozinium, das Gangolfsfest wird im Mai gefeiert.
Die Kirche und ihre Pfarrherren haben die vielen Stürme und Wirren der "guten alten Zeit" einigermaßen glücklich überstanden, auch die Schrecken des 30 jährigen Krieges, in dem durch Pest und Hungersnot 60% der Einwohner umkamen. Eingedenk dieser grauenvollen Zeit wurde das während des Krieges verlorengegangene Geläut durch 2 neue Glocken ersetzt, von denen eine noch vorhanden ist und die Inschrift trägt

"Vor Blitz und Unwetter, Hunger, Pest und Krieg und allem Unheil bewahre uns Herr Jesus Christus. Im Jahre des Herrn 1651"

1724 wurde die von der in Bregenz wohnhaften Maria geb. Freiin von Heidenheim auf eigene Kosten erbaute marianische Lauretten-Kapelle in Mochenwangen eingeweiht. Im selben Jahr ließ die Stifterin bei der dortigen Schussenbrücke ein Kaplaneihaus errichten. Eine Steinplatte neben der Haustüre trägt ihr Wappen, ihren Namen und bekundet die großherzige Stiftung, die sie zusätzlich an einem ansehnlichen Benifizium für den Lebensunterhalt eines ständigen Kaplanes begabte. Dieser war exempt, das heißt er unterstand nicht dem Pfarrer von Wolpertswende, durfte in der dortigen Kirche nur aushilfsweise tätig sein und war nur für den Dienst in seiner Kapelle zuständig. Nach 1800 wuchs die Bevölkerung in der Pfarrgemeinde so stark an, daß die Kirche in Wolpertswende die Gottesdienstbesucher aus der gesamten Pfarrei nicht mehr fassen konnte. Man entschloß sich daher die Mochenwanger Kapelle zu einer Pfarrkirche zu erweitern, wodurch 1843 die Erhebung Mochenwangens zur selbständigen Pfarrei möglich wurde. Dem Pfarrer konnte das Kaplaneihaus als Wohnung zugewiesen werden. Schon 50 Jahre später war die Kirche bereits wieder für die stark angewachsenden Zahl der Einwohner zu klein. 1904 konnte die neue 600 Sitzplätze fassende, von dem Architekten Cades geplante einschiffige neugotische Hallenkirche zu Ehren der Geburt Mariens geweiht werden. Wenig später wurde neben ihr ein Pfarrhaus erbaut. Die alte Kirche wurde verkauft und dient seither profanen Zwecken. Das Titularfest wird in Mochenwangen im September begangen.

In jüngster Zeit macht der anhaltende Priestermangel die Besetzung aller Pfarrstellen unmöglich. Das bekamen auch die Kirchengemeinden Wolpertswende mit heute 1019 Seelen und Mochenwangen mit 1813 Seelen und jeweils einem Kirchengemeinderat zu spüren. Seit 1988 versieht nur noch ein Pfarrer den Dienst in den beiden Pfarreien.



Text: Dr. Dietrich Walcher, Mochenwangen
Fotos: V. Ullrich, Wolpertswende